Die Musik des Komponisten Rettward von Doernberg kann man nicht in eine Kategorie einordnen. Über sämtliche Musikstile hinweg sucht er nach neuen Möglichkeiten sich auszudrücken.
Im Sinne des Zitates von Robert Lee Frost geht Rettward von Doernberg mit Vorliebe den schwierigeren Weg. Statt beispielsweise als Filmkomponist in Hollywood zu enden, nachdem er an der Universität in Los Angeles (UCLA) studiert und von erfolgreichen Filmkomponisten und Oscarpreisträgern wie Hans Zimmer, Alan Silvestri und James Newton Howard gelernt hatte, zieht er nach Berlin, um seinen Traum von einem klassischen Konzert für ein Ensemble bestehend aus acht elektrischen Gitarren und vier elektrischen Bässen zu verwirklichen.
"Zwei meiner stärksten Einflüsse zu dieser Zeit“, so von Doernberg, "nämlich Heavy Metal und Klassik, habe ich möglichst musikalisch verbunden. Man könnte sagen, herausgekommen ist eine Mischung aus Metallica und Strawinsky."
"Kosmos, Konzert für acht elektrische Gitarren und vier elektische Bässe" brachte Rettward von Doernberg beim Online Store eMusic.com unter die Top 100 der Elektronica Alben. Bei Rhapsodie.com kam er sogar unter die Top 50 der elektronischen Künstler.
"Bei jedem meiner Stücke verfolge ich ein Ziel, einen Aspekt, der mich überhaupt erst reizt, das Stück zu komponieren. Im Falle von Kosmos wollte ich beweisen, dass anspruchsvolle, komponierte Musik für ein Ensemble von verzerrten elektrischen Gitarren und Bässen möglich ist. Ich wollte nicht nur die Power der E-Gitarre vorstellen, sondern eben auch deren eher feineren, ausdrucksstarken Möglichkeiten."
Herausgekommen ist ein dreizehnminütiges Werk, das kraftvoll und energiegeladen, aber auch überraschend zart und geradezu magisch klingt. Die Klangfarben dieses Ensembles sind zeitweilig so ungewöhnlich, dass man staunt, zwölf Gitarren und Bässe im Overdrive zu hören.
Als leidenschaftlicher Science Fiction Fan nahm von Doernberg den ganzen "Kosmos" zur Thematik. "Science Fiction, das Fremde und Unerforschte, unendliche Weiten haben mich schon immer angezogen. Und nicht zu vergessen, ein gute Portion SID Musik ist auch dabei."
Mit SID Musik bezeichnet man die Musik der Computerspiele des Commodore 64 Homecomputers Anfang der 80er Jahre, die eine ganze Generation von Spiele begeisterten Jugendlichen musikalisch beeinflusst hat. Der Sound Chip des C64 ("SID") konnte zwar nur drei Töne gleichzeitig erzeugen – ein Vierklang war demnach schon nicht mehr möglich – doch er war sehr flexibel programmierbar.
"Spielekomponisten wie Rob Hubbard, Martin Galway und Tim Follin", so von Doernberg, "haben trotz dieser Limitiertheit - oder vielleicht gerade deswegen - ganz fantastische Musik zu Stande gebracht. Selbst heute gibt es eine riesige Remixing Szene bestehend aus Leuten, die die alten Stücke mit neuen Instrumenten aufnehmen. Der C64 war ein großer Einfluss auf meine Musik und ich denke, man erkennt sie auch in meinen Stücken, unter Anderem auch in Kosmos, wieder."
Statt sich nun ausschließlich der zeitgenössischen klassischen Musik hinzugeben, beginnt Rettward von Doernberg eine Karriere in der Ambient Musik, wo seine erste Veröffentlichung "Night Drive" auf über 30 Internet Radios und Podcasts gespielt wird, unter ihnen einschlägige Stationen wie Spacemusic, HRB1, Subsonic Temple Radio, Idyllic Music und Epiphany Radio.
"Ambient Electronica passiert bei mir einfach. Ich hatte neben der Filmmusik und zeitgenössischen Klassik immer mal wieder Lust, was in erster Linie für mich Entspannendes zu komponieren."
In seiner Ambient Musik kommen die für von Doernberg charakteristischen Elemente voll zu Geltung: Weit offene Räume, symphonische Akzente, ein guter Beat, eingängige Melodien und natürlich wieder Anklänge an SID Musik.
Rettward von Doernberg verfolgt weiterhin seine Filmmusikkarriere, allerdings nach seinen eigenen Regeln: "Ich mache nur noch Filmmusik für Projekte, die mich berühren. Die Geschichte muss stimmen, der Regisseur muss ein guter Mensch sein und etwas Geld schadet auch nicht, denn aus dem Studentenfilmalter bin ich raus." Sein letztes Projekt, der Zeichentrickfilm "Manic Moondays" von Martin Schiffter, wurde weltweit auf Festivals aufgeführt, gewann zwei Auszeichnungen und wurde sechsmal im Fernsehen gezeigt.
"Ich versuche ganz bewusst keine Pläne zu machen.", so von Doernberg. "Während ich an einem Stück komponiere, habe ich nicht den blassesten Schimmer, an welchem Stück ich als nächstes arbeiten werde. Am liebsten fange ich bei einem neuen Stück einfach an und schaue, was so alles zum Vorschein kommt. Ich bin dabei meistens total überrascht, aber genau das ist es, was ich so schätze."
Das Bedürfnis zwingt uns zur Arbeit, mit deren Ertrage das Bedürfnis gestillt wird; das immer neue Erwachen der Bedürfnisse gewöhnt uns an die Arbeit. In den Pausen aber, in welchen die Bedürfnisse gestillt sind und gleichsam schlafen, überfällt uns die Langeweile. Was ist diese? Es ist die Gewöhnung an Arbeit überhaupt, welche sich jetzt als neues, hinzukommendes Bedürfnis geltend macht; sie wird um so stärker sein, je stärker jemand gewöhnt ist zu arbeiten, vielleicht sogar je stärker jemand an Bedürfnissen gelitten hat. Um der Langeweile zu entgehen, arbeitet der Mensch entweder über das Maß seiner sonstigen Bedürfnisse hinaus oder er erfindet das Spiel, das heißt die Arbeit, welche kein anderes Bedürfnis stillen soll, als das nach Arbeit überhaupt. Wer des Spieles überdrüssig geworden ist und durch neue Bedürfnisse keinen Grund zur Arbeit hat, den überfällt mitunter das Verlangen nach einem dritten Zustand, welcher sich zum Spiel verhält, wie Schweben zum Tanzen, wie Tanzen zum Gehen, nach einer seligen, ruhigen Bewegtheit: es ist die Vision der Künstler und Philosophen von dem Glück. Friedrich Nietzsche